Te Sito Providential Developments e.G. in Gründungsvorbereitung

Projektbeschreibung

Das Berater-Team des Institut zur Mittelstandsförderung Berlin (imf-berlin.de) hat sich entschlossen, den Herausforderungen der Migrations- und Flüchtlingssituation mit einem eignen, an den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft orientierten Lösungsansatz, entgegenzutreten. Dabei konzentrieren wir uns zunächst auf die Flüchtlingssituation im Landkreis Müllheim im Breisgau und angrenzende Landkreise des Bundeslandes Baden-Württemberg sowie auf das Herkunftsland The Gambia. Hierbei geht es uns nicht nur um die gesamtgesellschaftliche Integration von Flüchtlingen in den genannten Regionen Baden-Württemberg sondern insbesondere um einen möglichst kurzfristig funktionierenden Beitrag zur messbaren Veränderung von Fluchtursachen im Herkunftsland. Nur, wenn wir die tatsächlichen Fluchtursachen vor Ort verstehen, können wir mit konstruktiven, gemeinsam und nachhaltig angelegten Maßnahmen wirksam werden und Fluchtbewegungen nach Europa, Deutschland und Baden-Württemberg entgegentreten.

In einem ersten Schritt werden wir uns konkret in The Gambia mit dem Aufbau einer Genossenschaft engagieren, die zunächst im Bereich Landwirtschaft, später auch in Handwerk und Handel tätig sein wird. Diese Genossenschaft trägt den Namen „Te Sito Providential Developments“. „Te sito“ bedeutet in der Sprache der Mandinka soviel wie „die Ärmel / die Kleider hochkrempeln, um (gemeinsam) eine Aufgabe anzupacken.“ Der Name entstand nach einer ersten Sondierungsreise von Samuel Gebert im Juli 2017 nach The Gambia, während der er ein breites Netzwerk von persönlichen Kontakten knüpfen könnte.

Die Idee zur Gründung einer vor Ort tätigen Genossenschaft ist aus der erfolgreichen Flüchtlingsarbeit des Zuflucht-Müllheim e.V., in Müllheim im Breisgau, entstanden. Durch das Engagement von Vorstand und Helfern dieses Vereins wurden inzwischen einige Dutzend Flüchtlinge überwiegend afrikanischer Herkunft, in Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse in lokale und regionale, mittelständische Betriebe vermittelt. Die Erfahrung hat einmal mehr bestätigt, dass neben dem Erwerb angemessener Sprachkenntnisse, der Zugang zu schulischer und fachlicher Ausbildung sowie fair bezahlte Arbeit, die wichtigsten Faktoren für eine gelingende Integration darstellen. Aufbauend auf dieser, im ganz praktischen Umgang mit Menschen vor allem aus The Gambia gewonnenen Erkenntnis, sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass es mit geeigneter Initiative möglich ist, Fluchtursachen im Herkunftsland wirksam zu begegnen.

Das dafür geeignete Instrument ist die Gründung einer Genossenschaft, die ihren eingetragenen Sitz in Müllheim i. Breisgau haben wird und als solche operativ tätige Gesellschaften in Baden-Württemberg und in The Gambia aufbauen und führen wird. Die Tätigkeitsschwerpunkte in Baden-Württemberg werden dabei in der ergänzenden Betreuung und fachlichen Qualifizierung von rückkehrwilligen Gambiern liegen, dem Aufbau von Bekanntheit und politischer Unterstützung in der Region und Baden-Württemberg sowie dem Einwerben von Investments zum Aufbau der Genossenschaft hier und in The Gambia.

Die Aufgabe der Genossenschaft in The Gambia wird sein, in mehreren Entwicklungsschritten genossenschaftlich geführte Betriebe in Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Dienstleistung aufzubauen. Dafür wird es nötig sein eine kontinuierliche, fachlich geeignete Präsenz im Land zu etablieren. Der Erwerb landwirtschaftlicher Flächen wird genauso dazu gehören, wie der Aufbau einer angemessenen Infrastruktur für Verwaltung, Ausbildung und Steuerung aller Aktivitäten.

Im Rahmen der ersten Sondierungsreise von Samuel Gebert hat dieser bereits potentielle Partner in den genannten Bereichen sowie mittelständische Unternehmer aus Deutschland, die sich entsprechend engagieren wollen, gewonnen.

Basierend auf der im Verlauf der letzten Jahre gesammelten Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit in Müllheim (und regional darüber hinaus) sowie im Rahmen der erwähnten, vierwöchigen Erkundungsreise unseres Vorstandes Samuel Gebert im Land, sind wir davon überzeugt, dass Präsenz, Kulturverständnis, Begegnung auf Augenhöhe und kontinuierliche Vernetzung mit Akteuren vor Ort, die unverzichtbaren Schlüssel für positive Veränderung von Lebensbedingungen darstellen.
Ein wichtiger Teil der zugrundeliegenden Fluchtursachen ist kulturell bedingt, mit tiefen Wurzeln in einem archaischen, oft missbräuchlich instrumentalisierten Traditionsverständnis. Intensiviert wird dieses als „Generationenkonflikt“ wahrnehmbare, gesellschaftliche Defizit, durch die Verbindung mit und einer einseitige Auslegung von religiösen Werten und Vorstellungen. Hier gilt es mit Achtsamkeit, diplomatischem Fingerspitzengefühl und großer Geduld nach Lösungen zu suchen, die gleichermassen akzeptiert wie wirksam werden.

Die Rechts- und Organisationsform der Genossenschaft bringt hervorragend geeignete Voraussetzungen mit, um das Vertrauen der Menschen, der Administration und der Verantwortlichen in der Politik vor Ort zu gewinnen, denn wir kommen nicht als profitgetriebene Kolonialherren (wie beispielsweise Chinesen oder Inder, die massiv vor Ort aktiv sind – und zwar in der Regel mit ausbeuterischem Charakter) sondern als langfristig handelnde Wirtschaftspartner, Mentoren und Co-Entwickler. Das Wesen der Genossenschaft mit seinem partizipatorischen, auf Solidarität, Gegenseitigkeit und Gemeinwohl ausgerichtetem Grundmodell, erscheint uns dabei die mit Abstand geeignetste Rechts- und Unternehmensform für nachhaltiges Wirtschaften und zur Stabilisierung gesellschaftlicher Verhältnisse zu sein. Die Förderung von eigenverantwortlichem Bewusstsein und die Vermittlung von damit einhergehenden bürgergesellschaftlichem Engagement und Demokratieverständnis durch Aus- und Weiterbildung sowie die Eröffnung von realen Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, haben dabei zentralen (strategischen) Charakter.

Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir gleichzeitig die Chance ergreifen, sämtliche landwirtschaftlichen – und alle in Folge entstehenden Genossenschaftsprojekte – konsequent an den UN Nachhaltigkeitszielen (SDGs, Global Compact), wie sie auch von der Bundesregierung beschlossen wurden, auszurichten und umzusetzen. Dazu zählen explizit auch der Nationale Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte sowie ein engagiertes Eintreten gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei.

The Gambia und der es umgebende Senegal sind von den Auswirkungen des Klimawandels und allen damit verbundenen Folgeerscheinungen betroffen. Auch hier glauben wir, dass genossenschaftliches Engagement, das immer nah mit den Anliegen des Gemeinwohls verbunden ist, eine wichtige und konstruktive Rolle spielen wird. Über die Aktivierung solidarisch arbeitender Gemeinschaften lassen sich verschiedenste Maßnahmen zum Schutz von Lebens- und Kulturraum sowie Wirtschaftsgütern oder gemeinsam genutzten Infrastrukturen, lokal und regional leichter umsetzen, als in Abhängigkeit von staatlichen oder supranationalen Programmen. Die Te Sito Providential Developments e.G. (i. Gr.) beabsichtigt angemessene landwirtschaftliche Flächen in The Gambia zu erwerben, diese basierend auf den vorliegenden landwirtschaftlichen Entwicklungskonzepten der Universität Hohenheim zu bewirtschaften, um eine dauerhafte Präsenz zur Verbesserung von Lebensverhältnissen vor Ort zu schaffen. Zu Beginn werden wir uns auf Reisanbau und Mangoverarbeitung konzentrieren, weil mit diesen Produkten nachvollziehbar schnelle Ernte- und Absatzerfolge möglich sind. Während bei der Commodity Reis in The Gambia ein grassierendes Mißverhältnis zwischen preiswertem Eigenanbau und teuren Reisimporten (aus den USA und China) positiv verändert werden kann, bietet die Verarbeitung von vorhandenen Mango-Ernten in signifikanten Mengen zu deutlich verbesserter Wertschöpfung und Erträgen. Das sind nur zwei ausgewählte Faktoren von vielen, die durch den Einsatz einfacher Mittel, bei konsequentem Einsatz, zu einer schnellen und positiven Veränderung des volkswirtschaftlichen Ungleichgewichts sowie der vorherrschend prekären Einkommenssituation im Land führen können.

Als vor Ort langfristig engagierte Genossenschaft werden wir Menschen in fair entlohnter Arbeit anstellen und gleichzeitig Anlauf- und Startpunkt für mögliche Rückkehrer aus Deutschland werden. Nach angemessener Qualifizierung in Baden-Württemberg sollen Rückkehrer via Te Sito Providential Developments eG die Möglichkeit bekommen, sich in einem ersten Schritt, ihre wirtschaftliche Existenz und soziale Anerkennung in einem genossenschaftlich betreuten Umfeld aufzubauen und in Eigenverantwortung zu wachsen. Wir reden hier über eine langfristig tragfähige Re-Integration.

Nachdem wir uns in der ersten Aufbauphase auf die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Commodities konzentriert haben, erfolgt der Ausbau der Genossenschaft zunächst durch Diversifikation im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion sowie durch den schrittweisen Einstieg in Berufe und Märkte für Handwerk (Holz, Metall, Bau, erneuerbare Energie sowie ggf. Textil). Eine wichtige Rolle soll dabei die Entwicklung afrikanischer Rundhütten in modernisierter Bauweise, als eine Form des genossenschaftlichen (sozialen) Wohnungsbaus spielen. Erste, ernstzunehmende Gespräche mit potentiellen Kooperationspartnern vor Ort und in Baden Württemberg wurden bereits geführt.

Es gibt viel zu tun. Te Sito!

 

Gambia – Eindrücke von Land & Leute